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Liebe Freunde, meine Damen und Herrn, heute eröffnet unser schönes Cafe Dreiklang. Träger ist die vita communis, eine Idee, die auch Grundgedanke und Programm dieses Cafes ist. Was bedeutet vita communis, was sind das für Leute, was für Ideen?
Eine Frage, die sich manchem stellt, der sieht, wie das Programm, sozusagen der Buchtitel dieses Ortes, des Cafes Dreiklang, heißt.
Es heißt Leben in Gemeinschaft. Mit Mitmenschen zusammenleben. Dazu brauchts einen Treffpunkt, dazu brauchts Kontaktflächen und Austausch.
Schön, dass Sie und Ihr alle heute morgen gekommen seit. Sonst wärs das gewesen mit dem Kontakt und den Austausch, dazu brauchen wir Euch, sonst geht’s nicht.
Für Kontakt kann es ja wohl auch kaum einen besseren Ort geben als diesen hier, was meinen Sie? Dieser behagliche Ort soll ein Ort der guten Gerüche, des guten Geschmacks, der guten Zeit sein.
Übrigen, wissen Sie, wie Albert Einstein jungen Leuten die Relativitätstheorie erklärt haben soll? Wenn du zwei Stunden in einem wunderbaren Café sitzt, vielleicht hast Du noch dein Mädchen mit dabei, dann meinst Du, es wären 2 Minuten. Sitzt Du aber auch nur 2 Minuten auf dem heißen Ofen, kommt es dir vor wie 2 Stunden, das ist Relativität.
Wir haben auch Ziele, dabei geht es nicht nur um guten Kaffee. Teilnahme am Leben auch für benachteiligte Menschen, eine Chance haben, ein Stück Gleichberechtigung.
Wissen Sie, das mit der Gleichberechtigung ist so eine Sache, man sagt, es habe sich bis in den Dschungel herumgesprochen, ja da gibt es zum Beispiel eine Art Prüfungsausschuss, bei uns machen das die Handelskammern oder auch schon mal Schulen. Dort hatten sich wie ich hörte kürzlich mehrere Tiere zur Prüfung gemeldet, ein Goldfisch, ein Elefant, ein Adler, ein Leopard und ein Strauß. Der Prüfer benannte die Prüfungsaufgabe folgendermaßen: Um die Gleichberechtigung für Sie alle zu wahren, haben Sie alle die gleiche Aufgabe; Klettern sie auf diesen Baum....
Gerade so meinen wir das aber nicht. Jeder hat besondere Fähigkeiten und Fertigkeiten. Jeder Mensch ist anders, so wie er ist gut und mit seiner speziellen Ausstattung interessant, besonders, einfach klasse. So kann das laufen, so wird es funktionieren. Kommen Sie und überzeugen Sie sich, so oft sie möchten, wir freuen uns über jeden einzelnen Gast.
Ich bin sehr dankbar, dass wir heute da stehen, wo wir sind, und diesen Dank möchte ich an Sie alle loswerden. Soll ich jeden Einzelnen beim Namen nennen? Auch das wäre nicht angemessen, denn es sind gar nicht alle da, denen es zu danken gilt. Und bei wem soll ich anfangen? Bei den Freunden, die manchmal bis in die Nächte hinein geholfen haben, beim Streichen, renovieren, umbauen? Bei Frau Schlummer, ohne deren unermüdliche Koordination und Hilfe wir kaum heute hier wären? Bei den Werler Handwerkern, die wissen schon was ich meine, solche engagierten und guten Leute muss man erst mal finden, gestern waren hier noch drei Firmen beschäftigt bis weit nach Feierabend. Beim Büro für visuellen Kommunikation freistil* in Werl, die uns das schöne Loge gespendet haben oder bei der Firma Klavier Ax, ohne die wir die wunderbare Cafehausmusik so hier nicht hätten? Auch bei der Politik und Verwaltung, die uns gut beraten haben und die notwendigen Formalitäten zügig und unkompliziert bearbeitet haben, bei unseren Mitarbeiten, bei Ihnen allen darf ich mich herzlich bedanken. Sagen sie mal ehrlich, da kann man schon neidisch werden, so viele engagierte Leute haben da mitgemacht und erst recht, wenn man das Ergebnis dieser gemeinsamen Leistung, dieser gemeinsam eingebrachten Lebendigkeit, dieser vita communis sieht? Aber wir wissen es ja von Wilhelm Busch: Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkannung, oder wie sehen Sie das?
Im Übrigen, wahrscheinlich verändern wir nicht die Welt durch ein Cafe in Werl. Bei allen Bemühungen und unseren weltumspannenden Vernetzungen, von denen Katja Kurte gleich noch sprechen wird. Aber ich persönlich halte es da immer gern mit Konfuzius. Stimmt es nicht, wenn er sagt:
Es ist immer noch besser, ein auch noch so kleines Licht anzuzünden als ständig die Dunkelheit zu verfluchen. Und zumindest als ein kleines Licht kann man unser Cafe Dreiklang doch schon bezeichnen.
Was die zukünftig für das Bestehen unseres Cafes notwendige Wirtschaftlichkeit betrifft, haben uns viele beraten und manche haben auch abgeraten. Das hängt von Ihnen ab, nichts ist für uns so wertvoll wie Mundpropaghanda. Und ich persönlich bin davon überzeugt, Werl wird oft unterschätzt, wir können Werl viel mehr zutrauen, Herr Bürgermeister, was meinen Sie?
Außerdem, wohin haben uns die hoch kompetenten Finanzfachleute denn mit ihren Empfehlungen geführt, was das reine ökonomische Denken betrifft? Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute, schreibt George Bernard Shaw, seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.
Vielen Dank Ihnen allen und herzlich willkommen im Dreiklang. (Eröffnungsrede unseres Geschäftsführers Dr. Wilhelm Günther am 28.11.2008)
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